Institutsleitung verankert die Haltung
Jede sinnvolle Zusammenarbeit beginnt mit einer Haltung. Für Prof. Thomas Utz, Co-Leiter des Instituts, ist der Zweck einer Abschlussarbeit klar: Sie soll realen Nutzen stiften. «Es geht um doppelten Impact: die persönliche Entwicklung der Studierenden und greifbare Beiträge zu unternehmerischen Herausforderungen.»
Utz sieht sich nicht als Projektvermittler. Er versteht sich vielmehr als Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Seiner Ansicht nach sollen Abschlussarbeiten keine isolierten Übungen sein, sondern in langfristige Partnerschaften eingebettet werden – oft mit Folgeprojekten oder sogar Spin-offs. Die entscheidende Zutat? Vertrauen und Studierende, die nicht nur mitmachen, sondern die Arbeit mitgestalten.
Da er selbst einen unkonventionellen Weg in die Wissenschaft gegangen ist, ist Utz überzeugt davon, Anwendung und Reflexion zu verbinden. Forschung muss verwertbar sein. Praxis muss durchdacht sein. Für ihn sind Abschlussprojekte der Ort, an dem beides zusammenkommt.
Programmmanagement schafft die richtigen Strukturen
Allein die Haltung reicht nicht – die Strukturen müssen sie tragen. Hier kommt Prof. Urs Sonderegger ins Spiel. Als Leiter des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen ist er zuständig für den Rahmen, in dem hochwertige Arbeit gedeihen kann.
«Unsere Aufgabe ist zu ermöglichen. Wir schaffen die Bedingungen, damit Zusammenarbeit tatsächlich stattfindet.»
Sonderegger versteht seine Rolle nicht nur als administrative Aufsicht, sondern als Ermöglicher. Das bedeutet: klare Prozesse, zugängliche Themenlisten und eine Programmkultur, die praktische Beteiligung fördert. Mit Erfahrung in Wissenschaft und Wirtschaft sorgt er dafür, dass das Programm beide Welten verbindet und die Studierenden sich darin zurechtfinden.
Projektleitung ist an einem Innosuisse-Projekt beteiligt
Diese Rahmenbedingungen in gelebte Praxis zu verwandeln, ist Aufgabe von Samuel Böhni, Projektleiter am IDEE. Er arbeitet im operativen Kern – dort, wo Ideen zu Handlungen werden. Böhni weiss, dass Studierende mit unterschiedlichen Bedürfnissen kommen: Einige haben eigene Themen, andere suchen Anleitung. Auch Unternehmen benötigen oft Unterstützung, um sinnvolle Fragestellungen zu formulieren.
Deshalb ist Böhni an einem von Innosuisse geförderten Projekt beteiligt, in Zusammenarbeit mit Studyond und Partnern wie der ETH Zürich, der Universität St. Gallen, Economiesuisse und dem Schweizer Arbeitgeberverband. Ziel des Projekts ist, das Matching von Themen inklusiver zu gestalten.
Böhni sieht sich als Facilitator, der Zugänge schafft und Erwartungen managt. Bildungsgerechtigkeit ist für ihn kein Randthema:
«Nicht alle haben ein Netzwerk – aber alle sollten die Chance haben, ein sinnvolles Thema zu finden.»
Seine operative Arbeit baut direkt auf den strategischen Prinzipien von Utz und Sonderegger auf – eine kontinuierliche Schleife der Abstimmung zwischen Vision und Aktion.
Studierende liefern reale Wirkung
Wie sieht dieses Ökosystem in der Praxis aus? Simona Nallbani und Andri Baumgartner geben zwei Einblicke. Nallbani, berufsbegleitend im BSc Wirtschaftsingenieurwesen, schrieb ihre Bachelorarbeit bei einem Industrie-Startup. Für sie war die Wirkung spürbar: «Ich konnte sehen, wie meine Analyse die Entscheidungen im Unternehmen direkt beeinflusst hat. Das war unglaublich befriedigend.»
Sie betont Kommunikation als zentrale Fähigkeit. Die Schnittstelle Hochschule–Wirtschaft zu navigieren erfordert nicht nur Fachwissen, sondern die Fähigkeit, dieses zwischen den Welten zu übersetzen.
Baumgartner, Student im vierten Semester, hat bereits ein Thema: die Belastung lokaler Stromnetze durch Photovoltaikanlagen – etwas, das er aus seiner Ingenieurpraxis kennt. Für ihn zählt Relevanz: «Ich will nicht nur Forschung machen. Ich will mit Leuten sprechen und das Problem vor Ort sehen.»
Beide Studierende gehen bedacht mit KI um. Nallbani nutzt Tools wie ChatGPT und DeepL Write zur Schreibunterstützung; Baumgartner bleibt vorerst zurückhaltend. Was sie teilen, ist eine klare Überzeugung: Ihre Stimmen sollen führen.
Ob bereits abgegeben oder noch in Arbeit – für beide ist die Abschlussarbeit kein Pflichtpunkt zum Abhaken. Sie ist eine Chance, echte Wirkung zu erzielen.
Was wir von der OST lernen: Transfer ist Teamarbeit
Die OST zeigt, was möglich ist, wenn Wirkung ernst genommen wird. Starke Abschlussarbeiten entstehen nicht zufällig. Sie entstehen, wenn Haltung auf Struktur trifft und alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Jede Rolle zählt: von strategischer Institutsleitung über praktische Programmermöglichung bis hin zu prozessorientierter Projektleitung und der Studierenden, die die Arbeit vorantreibt.
Das IDEE ist ein klares Beispiel dafür, wie das umgesetzt werden kann: durch eine institutionelle Kultur, die Transfer nicht als Anhängsel, sondern als zentrale Aufgabe versteht.
