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Transferkulturen im Vergleich: Universitätskooperationen in Deutschland und der Schweiz

Transferkulturen im Vergleich: Universitätskooperationen in Deutschland und der Schweiz

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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Die Studie Transferkompass (Stifterverband, 2023), finanziert vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), basiert auf einer Befragung von 156 Hochschulen, 23 Experteninterviews und einer Analyse von 56 Transferstrategien. Ziel war es, Strategien und Herausforderungen sichtbar zu machen, die mit der Verankerung von Wissenstransfer in den Institutionen verbunden sind.

Das Monitoring des KTT in der Schweiz (Wörter et al., 2024) wurde vom Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Auftrag gegeben und vom KOF Schweizerischen Wirtschaftsinstitut der ETH Zürich durchgeführt. Diese Studie analysiert den Stand des KTT anhand von Indikatoren wie F&E-Finanzierung, Ko-Publikationen, Patenten und Projektbeiträgen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

#1: Strategische Verankerung des KTT

In den vergangenen Jahren haben deutsche Universitäten den KTT zunehmend institutionalisiert und in ihre strategischen Entwicklungspläne integriert. Laut dem Transferkompass nimmt die Bedeutung von Transfer als Kernauftrag der Universitäten zu. (Stifterverband, 2023, S. 35)

Trotz dieses positiven Trends bleiben bei der Umsetzung Herausforderungen bestehen. Die Studie weist darauf hin, dass eine breite Vielfalt an Transferformaten weiterhin unzureichend genutzt wird und traditionelle Forschungskollaborationen nach wie vor die dominante Form der Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen darstellen. Andere Formate wie Innovationscluster, digitale Plattformen und systematische Wirkungsanalysen sind weiterhin unterrepräsentiert. (Stifterverband, 2023, S. 35)

Im Vergleich zu Deutschland zeigt die Schweiz weniger einen Unterschied im Entwicklungsstand als vielmehr einen Unterschied im methodischen Ansatz. Während die deutsche Studie die Analyse formaler strategischer Dokumente in den Mittelpunkt stellt, bewertet die Schweizer Studie den KTT anhand von Leistungsindikatoren wie Aufwand, Rahmenbedingungen und erzielten Ergebnissen von Partnerschaften. (Wörter et al., 2024, S. 5)

Insgesamt kommt die Schweizer Studie zum Schluss, dass der Wissenstransfer zwischen Universitäten und privater Industrie gut entwickelt ist (Wörter et al., 2024, S. 33). Sie nennt aber auch Verbesserungsbedarf, etwa klarere Regelungen zum geistigen Eigentum für Spin-offs und eine bessere Datenerhebung zur Nutzung von IP an Fachhochschulen (Wörter et al., 2024, S. 35).

#2: Formen und Intensität des KTT

In Deutschland dominieren traditionelle Forschungskollaborationen. Der Transferkompass stellt fest, dass diese Partnerschaften an den meisten Universitäten in den vergangenen fünf Jahren zugenommen haben und voraussichtlich weiter wachsen werden (Stifterverband, 2023, S. 18). Andere Formate wie die Beteiligung an Innovationsclustern oder Kooperationen mit Unternehmen in Bildung und Weiterbildung haben an weniger als der Hälfte der Universitäten zugenommen, was auf erhebliches Wachstumspotenzial hindeutet (Stifterverband, 2023, S. 36).

Die Schweizer Perspektive zeichnet ein differenzierteres Bild und hebt ein breiteres Spektrum an Transferformaten hervor. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die aktiv am Wissenstransfer beteiligt sind, setzt vor allem auf informelle Kanäle, etwa den Besuch wissenschaftlicher Konferenzen oder das Studium akademischer Publikationen (Wörter et al., 2024, Abb. 18).

Bildungs- und mobilitätsbezogene Aktivitäten — wie die gemeinsame Betreuung von Abschlussarbeiten, Sabbaticals für Mitarbeitende von Unternehmen oder gemeinsame Lehrinitiativen — folgen an zweiter Stelle. Klassische Formate wie F&E-Kooperationen, Beratungsleistungen und die Nutzung universitärer Infrastruktur sind dagegen nur für etwa 13 bis 15% der Unternehmen zentral (Wörter et al., 2024, Abb. 18). Bemerkenswert ist zudem, dass Schweizer Unternehmen vorwiegend mit inländischen Universitäten zusammenarbeiten (Wörter et al., 2024, S. 40–41).

Diese Befunde zeigen, dass traditionelle Indikatoren wie Patente, Ko-Publikationen oder formale F&E-Projekte nur die sichtbare Spitze des Eisbergs darstellen. Ein wesentlicher Teil des KTT erfolgt informell, flexibel und entzieht sich oft einer einfachen Messung.

#3: Finanzierung und Förderung des KTT

In Deutschland wird ein grosser Teil der Transferaktivitäten über projektbezogene Drittmittel finanziert (Stifterverband, 2023, S. 2). Rund die Hälfte aller Transferstellen wird über befristete externe Mittel finanziert. Diese hohe Abhängigkeit von Drittmitteln — insbesondere zur Finanzierung von Transferpersonal — erschwert die langfristige Planung und führt zu fehlender Kontinuität. Der Transferkompass plädiert deshalb dafür, Wissenstransfer als dauerhafte Aufgabe der Universitäten anzuerkennen und entsprechend zu finanzieren (Stifterverband, 2023, S. 28).

In der Schweiz spielt die nationale Innovationsagentur Innosuisse eine zentrale Rolle bei der Förderung gemeinsamer Innovationsprojekte zwischen Universitäten und Unternehmen (Wörter et al., 2024, S. 30). Die Zahl der bewilligten Projekte ist jedoch in den vergangenen Jahren rückläufig — von rund 400 im Jahr 2021 auf 307 im Jahr 2023 (Wörter et al., 2024, Abb. 25). Dieser Rückgang ist teilweise auf höhere durchschnittliche Projektbudgets und einen sinkenden Anteil finanzieller Beiträge von Umsetzungspartnern zurückzuführen.

Im internationalen Vergleich weisen sowohl Deutschland als auch die Schweiz überdurchschnittliche Werte bei der Finanzierung universitärer Forschung durch den Privatsektor auf. Deutschland liegt in diesem Bereich vorne, dicht gefolgt von der Schweiz. Trotz gewisser nationaler Unterschiede sind die Anteile privater Finanzierung im Zeitverlauf relativ stabil geblieben (Wörter et al., 2024, S. 11).

#3: Fazit: Zwei Länder, ein gemeinsames Ziel

Deutschland und die Schweiz verfolgen das gemeinsame Ziel, ein starkes und wirksames System für Wissens- und Technologietransfer zu fördern. In beiden Ländern besteht die zentrale Herausforderung darin, die langfristige Tragfähigkeit der Transferaktivitäten sicherzustellen und neue Kooperationsformen systematischer zu integrieren.

Ein gezielter Erfahrungsaustausch könnte beiden Ländern helfen, ihre jeweiligen Stärken weiter auszubauen und voneinander zu lernen.

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