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Reto Hegelbach & Marko Draguljic über einen Hidden Champion: Sefar Group

Reto Hegelbach & Marko Draguljic über einen Hidden Champion: Sefar Group

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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Die Fahrt zum Sefar-Hauptsitz in Heiden, Schweiz, führt über gewundene Strassen, grüne Hügel und mitreissende Ausblicke auf den Bodensee. Oben empfängt ein schlankes Glasgebäude die Besucher. Innen zeigt ein Gang mit Vitrinen technische Gewebe, die in Filtern, Getreidemühlen oder Autos eingesetzt werden. „Das ist alles Sefar“, sagt Reto Hegelbach und seine Augen leuchten. „Und vieles davon fällt im Alltag gar nicht auf. Aber es macht einen Unterschied.“

Was Sefar produziert, ist buchstäblich in unserem Leben verwebt. Wissenschaftliche Präzision trifft auf praktische Anwendung, sodass Innovation greifbar, sichtbar und nützlich wird.

Ein Hidden Champion aus der Ostschweiz

Was genau macht Sefar? Das Unternehmen entwickelt hochspezialisierte Gewebe, die filtern, trennen, leiten, dämpfen oder verteilen. Diese Gewebe sind so feinabgestimmt und anwendungsspezifisch, dass sie etwa Schadstoffe aus Flüssigkeiten in Biotech-Systemen entfernen oder Licht in Fahrzeuganzeigen gleichmässig verteilen können.

Sefar kontrolliert die ganze Innovationskette: von der Garnherstellung über das Weben bis zur Entwicklung komplexer Anwendungen. „Unsere Produkte sind oft unsichtbar, aber unverzichtbar“, sagt Hegelbach. Mit rund 3'000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von ungefähr CHF 367 Millionen ist Sefar global aufgestellt und gleichzeitig fest in der Region verwurzelt.

Reto Hegelbach ist seit 2008 im Unternehmen. Nach Stationen in Produktion, Prozessentwicklung und Smart Fabrics leitet er heute die Innovationsabteilung. Für ihn bedeutet Innovationsmanagement mehr als neue Produkte auf den Markt zu bringen; es geht darum, Trends vorauszusehen, Regularien zu navigieren und bestehende Fähigkeiten strategisch zu kombinieren.

„Wir betreuen zur Zeit etwa 80 Entwicklungsprojekte gleichzeitig“, sagt er.

Marko Draguljic, 2021 zu Sefar gestossen, ist ebenso tief im Unternehmen verankert. Als Head of Learning & Development verantwortet er die Mitarbeitendenentwicklung, koordiniert Praktika, Abschlussarbeiten und Lernformate. Sein Ziel: „Wir wollen Menschen fördern, die sich in einer globalen, innovativen Umgebung behaupten können.“

Innovationsmanagement und geistiges Eigentum

„Innovationsmanagement heisst nicht einfach, eine gute Idee zu haben und zu hoffen, dass sie funktioniert“, sagt Hegelbach. „Es bedeutet strategisches Denken, disziplinübergreifendes Arbeiten und frühzeitiges Erkennen von Trends wie Nachhaltigkeit, Compliance und funktionaler Integration.“

Seine Abteilung ruht auf drei Säulen: Projektmanagement für über 80 laufende Entwicklungsprojekte, Management geistigen Eigentums (IP) und die Identifikation neuer Innovationsfelder. Ein Grundpfeiler ist der Schutz des geistigen Eigentums. „Patentmanagement ist für uns kein Anhängsel; es ist ein strategischer Kompass“, erklärt Hegelbach. Die Zusammenarbeit mit Universitäten erfordert frühzeitige Klarheit: Wer besitzt was? Wie transparent können wir sein? Was darf publiziert werden?

Klare IP-Regelungen bieten nicht nur Sicherheit, sie erleichtern auch die Zusammenarbeit. „Wenn wir sehen, dass ein Wettbewerber eines unserer Patente zitiert, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt er. Die Analyse von Patentdaten hilft Sefar zudem, Markttrends vorherzusehen und liefert Inspiration für neue Projekte.

Zusammenarbeit mit Universitäten

Die Kooperation mit Universitäten gehört zur DNA von Sefar, von gemeinsamen Forschungsprojekten mit der Empa bis zu Beratungstätigkeiten in akademischen Gremien. „Am meisten profitieren wir, wenn Projekte praktisch relevant und methodisch sauber sind“, sagt Hegelbach.

Doch nicht jede Zusammenarbeit ist sinnvoll. „Wir müssen strategisch auswählen. Man kann nicht mit allen zusammenarbeiten“, sagt er. Neben dem Thema seien Teamkompatibilität und Offenheit für industrielle Prozesse entscheidend – einschliesslich Standards, Zeitplänen und Kommerzialisierungszielen.

Sein Wunsch: „Die Einstiegsbarrieren senken. Nicht jede Zusammenarbeit sollte einen kompletten juristischen Apparat erfordern.“

Bürokratie dürfe gute Ideen nicht ersticken, denn das schade nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Universität und letztlich der Schweiz als Innovationsstandort.

Talente fördern mit Studyond

Draguljic sieht Universitäten nicht als entfernte Elfenbeintürme, sondern als Brutstätten relevanten Personals. Als Head of Learning & Development schafft er Formate, in denen Wissenschaft und Praxis direkt zusammenkommen. Abschlussarbeiten sind ihm besonders wichtig. „Sie sind ein Win-win“, sagt er. „Studentinnen und Studenten bearbeiten reale Probleme. Wir erhalten frische Perspektiven und Impulse.“

Er spricht aus Erfahrung: Seine eigene Masterarbeit schrieb er in einem Industrieunternehmen und musste wissenschaftliche Stringenz mit wirtschaftlicher Relevanz in Einklang bringen.

„Ich habe 270 Seiten geschrieben, aber alles auf eine einzige PowerPoint-Folie für das Management zu verdichten, das war die grösste Herausforderung.“

Damit eine Abschlussarbeit gelingt, ist Abstimmung zentral. „Studenten, Universitäten und Firmen haben oft unterschiedliche Erwartungen. Je früher man diese klärt, desto besser das Ergebnis.“ Projektmanagement, Stakeholder-Kommunikation und realistische Zeitpläne sind ebenso wichtig wie der Inhalt.

Scheitern gehört ebenfalls dazu. „Nicht jedes Projekt wird erfolgreich sein, aber auch das ist eine wertvolle Erfahrung.“

Fazit: Niedrige Einstiegsbarrieren

Wie können Universitäten und Firmen besser zusammenarbeiten? Für Hegelbach und Draguljic läuft es auf einen offenen, strukturierten Dialog hinaus: Praktiker als Gastdozierende, reale Probleme in Seminaren und Kollaborationsformate, die nicht in Bürokratie versinken.

Ihr Rat an Studierende: Plant voraus. Identifiziert eure Stakeholder. Stimmt Erwartungen ab. Und vor allem: Bleibt neugierig. Denn eine Abschlussarbeit bei Sefar bedeutet, Teil eines Innovationssystems zu werden, das täglich daran arbeitet, die Welt effizienter, sicherer und nachhaltiger zu machen.

Ein Besuch in Heiden zeigt: Innovation dringt unter die Haut — oder besser gesagt, in das Gewebe.

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Reto Hegelbach
Marko Draguljic
Sefar AG

Reto Hegelbach

Reto Hegelbach is Head of Innovation at Sefar and holds a degree in micro- and nanotechnology. He combines technical expertise with entrepreneurial vision and knows the innovation processes of a global manufacturing company from the inside out.

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