Im Rahmen eines strategieorientierten Praxisprojekts an der Universität St. Gallen hatten drei Kommilitoninnen und ich die Möglichkeit, mit dem dynamischen Start‑up Studyond zusammenzuarbeiten. Von März bis Mai 2025 besuchten wir ihr Büro mehrmals für Interviews – wir sprachen mit allen, vom CEO über das Vertriebsteam bis zu den Produktentwicklern – und wurden sogar eingeladen, an einer wichtigen internen Strategiesitzung teilzunehmen. Die Erfahrung bot eine Fülle an Lernmöglichkeiten: von strategischer Komplexität über spontane Instagram‑Reels bis hin zu wertvollen Karriereempfehlungen. Und weil wir – als Masterstudierende kurz vor dem Abschluss – selbst zur Zielgruppe von Studyond gehören, gewann die Zusammenarbeit an zusätzlicher Tiefe und gegenseitigem Nutzen.
Leitfragen
Während unseres Projekts leiteten uns drei Kernfragen:
- Wie baut ein Start‑up sein Produkt auf und etabliert sich gleichzeitig als Unternehmen?
- Wie sieht strategische Arbeit in einem Umfeld aus, das vielleicht nicht explizit von „Strategie“ spricht, aber täglich strategische Entscheidungen trifft?
- Und wie schafft es Studyond, drei wichtige Anspruchsgruppen – Studierende, Unternehmen und Hochschulen – sinnvoll auf einer Plattform zu verbinden?
Jeder Besuch bei Studyond war von Energie und Veränderung geprägt. Schon wenige Wochen zwischen den Treffen zeigten deutliche Entwicklungen: eine neue Auszeichnung, ein neu gewonnenes Partnerunternehmen, die Planung einer Hochschulveranstaltung. Das Entwicklungstempo bei Studyond war ansteckend. Besonders beeindruckt hat uns die Begeisterung und das Engagement des Teams beim Ausbau des Geschäfts. Unsere Gespräche verbanden Theorie und Praxis. Wir stellten fest: Strategie ist nicht nur abstrakte Planung oder akademische Modelle – sie bedeutet, sich kontinuierlich an reale Bedingungen anzupassen. Was nützt die beste Strategietheorie, wenn die Praxis ganz andere Antworten verlangt? Es braucht kein Entweder‑oder, sondern Sowohl‑als‑auch.
Parallel zu unseren Besuchen lasen wir grundlegende Texte wie Mintzberg & Waters (1985). Der Vergleich zwischen gelebter Erfahrung und strategischer Theorie vertiefte mein Verständnis von Strategiearbeit erheblich. Die Verbindung von Theorie und Praxis wurde zu einem Eckpfeiler meines persönlichen Lernprozesses.
Oder, wie Philipp von Studyond treffend sagte: „Planning is everything, plans are nothing."
Ein Satz, den ich nie vergessen werde – nicht wegen einer Fussnote im Lehrbuch, sondern weil er mit einer Geschichte und einem Kontext verknüpft war, die ihm Leben einhauchten.
Strategie als lebendiger Prozess: Das „Huhn‑Ei‑Hahn“‑Dilemma
Was haben wir also über Strategieentwicklung aus unserem Projekt mit Studyond gelernt?
Wir konnten aus erster Hand beobachten, wie ein junges, plattformbasiertes Unternehmen komplexe strategische Entscheidungen navigiert – und wie dynamisch und organisch dieser Prozess ist. Eine zentrale Erkenntnis: Studyonds Strategie ist kein starrer Masterplan, sondern ein fortlaufender Aushandlungsprozess.
Eine der grössten Herausforderungen von Studyond liegt darin, drei sehr unterschiedliche Anspruchsgruppen zu verbinden: Studierende, Unternehmen und Hochschulen. Jede Gruppe hat eigene Interessen, Zeitpläne und Kommunikationslogiken. Daraus ergibt sich, dass strategische Arbeit weniger darum geht, einzelne User Journeys zu optimieren, sondern vielmehr ein gesamtes Ökosystem zu orchestrieren.
Wir nannten das spielerisch das „Huhn‑Ei‑Hahn‑Problem“ – eine Anspielung auf die zirkulären Abhängigkeiten zwischen den drei Gruppen.
Wir stellten fest, dass Studyond diese Komplexität mit einem Zusammenspiel von Mikrostrategien adressiert: strategisches Ressourcenmanagement (z. B. durch Student Ambassadors oder akademische Partnerschaften), iterative Produktentwicklung (z. B. kontinuierliches Prototyping und Nutzerfeedback) und zielgruppenspezifische Ansprache.
Eine weitere zentrale Erkenntnis: Strategie findet im Alltag statt. Studyond setzt auf wiederkehrende Meetings – Weeklies, Monthlies und Quarterlies – nicht nur zur Planung, sondern um strategisch zu reflektieren und neu auszurichten. Ziel sind keine starren Kennzahlen, sondern die kollektive Suche nach der besten Idee. Intern ist dieses Prinzip liebevoll als „Fight for the Best Idea“ bekannt.
Ein Höhepunkt für uns war die Teilnahme an einer quartalsweisen Strategiesession, in der Mitarbeitende gemeinsam die Strategiekarte des Unternehmens in einer lebendigen, inklusiven Atmosphäre verfeinerten.
Diese Beobachtungen spiegeln wider, was Mintzberg & Waters (1985) bereits vor Jahrzehnten beschrieben: Strategie ist nicht nur das, was geplant wird, sondern auch das, was aus dem Alltag entsteht. Diese Mischung aus Intention, Erfahrung und Anpassung stimmt auch mit Whittingtons „Strategy‑as‑Practice“‑Ansatz (1996) überein, der die Routinen und Interaktionen von Menschen als den eigentlichen Ort sieht, an dem Strategie geschaffen, hinterfragt und weiterentwickelt wird.
Bei Studyond sahen wir dies zum Beispiel daran, wie Onboarding‑Prioritäten über Anspruchsgruppen hinweg gesetzt wurden. Die Kernfrage lautete: Welche Gruppe fungiert als „Gatekeeper“ und motiviert die anderen, sich der Plattform anzuschliessen?
Zusammenfassend verschaffte uns die Zusammenarbeit mit Studyond tiefe Einblicke, wie Strategie in einem jungen, plattformbasierten Unternehmen gestaltet und gelebt wird. Sie entsteht im Dialog, in Routinen, durch Nutzerfeedback und kollektive Improvisation. Diese dynamische Mischung macht den Strategieprozess bei Studyond so spannend: geleitet von einer klaren Vision, angetrieben von einem starken Zweck rund um sinnvolle studentische Projekte und stets offen für kreative Beiträge.
Danke, Studyond
Ein herzliches Dankeschön an das gesamte Studyond‑Team für eure Offenheit, Gastfreundschaft und die aufschlussreichen Gespräche. Wir haben viel gelernt – von inspirierenden Karrierehinweisen mit Philipp bis zu spontanen Instagram‑Reel‑Drehs, bei denen wir Teil des öffentlichen Auftritts von Studyond wurden.
Besonderer Dank geht auch an Philipp für die Unterstützung bei unserer Abschluss‑Seminarpräsentation an der HSG – die stolzen Gesichter auf unserem Foto nach der Präsentation sagen alles.
Ein Hinweis an Kommilitoninnen und Kommilitonen
Nutzt die Chance, an einem Praxisprojekt teilzunehmen! Es erweitert euer persönliches und berufliches Netzwerk und bietet echte, nachhaltige Lernerfahrungen, die kein Hörsaal allein ersetzen kann – besonders wenn ihr euch wirklich für das Produkt oder die Mission eines Unternehmens interessiert. Und vergesst nicht: Auch Unternehmen profitieren von eurem frischen Blick. Ein echtes Win‑Win!
