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Monika Böning: Abschlussarbeiten als generationenübergreifender Dialog

Monika Böning: Abschlussarbeiten als generationenübergreifender Dialog

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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Dr. Monika Böning ist Physikerin und leitet das globale Nachhaltigkeitsreporting im Personalbereich bei Bosch. Ihr Alltag dreht sich um KPIs, internationale Berichtsstandards und — mit ebenso grosser Leidenschaft — um studentische Abschlussarbeiten. „Ich sehe das als generationenübergreifende Zusammenarbeit. Die Studierenden könnten alle meine Kinder sein,“ sagt sie und lacht. Ein Scherz, ja, aber mit ernstem Unterton.

Warum Monika Abschlussarbeiten betreut

„Ehrlich gesagt mache ich das, weil es mir Freude bereitet,“ erklärt Böning. Als Expertin für Nachhaltigkeitsberichterstattung betreut sie regelmässig Arbeiten – insbesondere zu HR- und sozialer Nachhaltigkeit. Ihre Motivation geht jedoch tiefer: Sie sieht die Betreuung als Chance, Wissen weiterzugeben, gemeinsam komplexe Fragen zu erkunden und selbst etwas Neues zu lernen. „Studierende stellen oft Fragen, auf die ich selbst nicht gekommen wäre.“

Sie arbeitet seit Jahren mit Hochschulen zusammen, insbesondere mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Für sie ist Betreuung kein Gefallen – sondern eine Partnerschaft.

„Wenn ich ein Thema vergebe, dann weil ich auch etwas lernen möchte."

Sie lässt sich ständig von der frischen Perspektive der Studierenden inspirieren: aktuelle Literatur, neue konzeptionelle Blickwinkel und gelegentlich unbequeme Wahrheiten. Die Studierenden profitieren im Gegenzug – durch angewandte Themen, direkte Rückmeldung und ein klar definiertes Publikum für ihre Forschung.

Aus diesen Erfahrungen zieht Böning vier praktische Empfehlungen – für Unternehmen, Hochschulen und Studierende.

1. Eine Forschungsfrage, die auf beiden Seiten Mehrwert schafft

Die Wahl der Forschungsfrage ist zentral. „Sie muss etwas sein, wofür ich wirklich Neugier habe … ein Thema, das ich sonst nicht mit den vorhandenen Ressourcen erforschen könnte.“

Sie bezeichnet solche Themen als „Luxusthemen“: im Tagesgeschäft nicht dringend, aber inhaltlich reichhaltig. Ein aktuelles Beispiel: eine Masterarbeit zur strategischen Positionierung sozialer Nachhaltigkeit, die sie gemeinsam mit der ESB Reutlingen betreute. „Es ging um Benchmarks, Zielsysteme, KPIs – und wie sich einzelne Unternehmen tatsächlich im Vergleich schlagen.“ Eine empirische Untersuchung mit Nutzen für Bosch und die Wissenschaft.

2. Dreier-Abstimmung von Anfang an

Böning betont die Bedeutung enger Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschule und Studierenden. „Es muss ein echter Dreiecksdialog sein. Alle Beteiligten sollten am Anfang zusammenkommen, Erwartungen abgleichen und – idealerweise – dokumentieren.“

Aus ihrer Sicht verläuft Betreuung in Phasen: Zuerst eine gründliche Diskussion der Forschungsfrage, dann eine Phase der eigenständigen Arbeit. Check-ins finden typischerweise alle zwei bis drei Wochen statt. „Die Studierenden führen. Wir setzen die Leitplanken, aber den Weg müssen sie selbst gehen.“

3. Transparenz zu Erwartungen und Grenzen

Ein weiterer Erfolgsfaktor: „Klare Erwartungen.“ Studierende sollten wissen, was machbar ist – etwa beim Zugang zu internen Daten oder bei der Realisierbarkeit von Interviews mit der Geschäftsleitung. „Manche Studierende wollen mit dem Vorstand sprechen – eine schöne Idee, aber selten realistisch.“

Wesentlich ist auch die Unterscheidung zwischen einer Abschlussarbeit und einer Tätigkeit als Werkstudent: „Eine Abschlussarbeit ist ein vollzeitliches akademisches Projekt. Wenn jemand zusätzlich einen Job hat, ist das eine andere Verpflichtung und muss getrennt betrachtet werden.“ Letztlich geht es um Fairness – auch im Vergleich zu anderen Studierenden.

4. Eigentum an der Arbeit

Akademische Arbeit muss eigenständig erfolgen. „Wir setzen die Rahmenbedingungen – aber die Studierenden gehen den Weg.“ Unternehmen liefern das Umfeld, nicht das Coaching. Und genau darin liegt die Chance: Verantwortung zu übernehmen. Für Böning ist Autonomie sowohl Voraussetzung als auch Wachstumschance:

„Nur wenn Studierende den Prozess mitsteuern, treffen sie Entscheidungen, organisieren sich selbst und wachsen dabei.“ Sie fasst zusammen: „Nur so entsteht eine Arbeit, die wissenschaftlichen wie praktischen Anforderungen genügt."

Verbindung zu HR: Nico Elsässer zum Employer Branding

Für Nico Elsässer, Experte für Candidate & Employee Journey bei Bosch, haben Abschlussarbeiten strategischen Wert: „Sie sind ein Fenster in beide Richtungen. Studierende lernen, wie wir arbeiten, und wir lernen, wie sie denken.“

Im Employer Branding sieht er die Zusammenarbeit bei Abschlussarbeiten als Mittel zur frühen Talentidentifikation „aber nur, wenn es auf Augenhöhe geschieht. Das Unternehmen kann die Arbeit nicht für sie schreiben.“

Auch er betont die Bedeutung der Dreier-Abstimmung: „Die besten Projekte starten mit einem gemeinsamen Briefing. Alles andere erzeugt Reibung.“

Fazit: Lernen auf Augenhöhe

Böning sieht grosses Potenzial in Plattformen wie Studyond: „Für Studierende ist es eine grosse Hilfe, Orientierung und Kontakte zu finden. Das erleichtert das Matching – besonders für jene ohne berufliches Netzwerk.“ Und für Unternehmen seien solche Plattformen spannend, „sofern es einen echten Dialog gibt und nicht nur eine Ablage für Themen.“

Bönings abschliessende Erkenntnis ist so pragmatisch wie inspirierend: „Wenn alle drei Parteien zufrieden sind – Hochschule, Unternehmen, Studierende – war es ein Erfolg.“ Entscheidend sind Offenheit, Kommunikation und gegenseitiger Respekt.

Und vielleicht ein wenig Gelassenheit. Auf die Frage, welche Zukunftskompetenzen Studierende wirklich brauchen, antwortet sie schlicht: „Tu, was dir Freude bereitet. Wenn du motiviert bist, lernst du den Rest unterwegs.“

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Monika Böning

Dr. Monika Böning is a physicist and leads global sustainability reporting in HR at Bosch. She has supervised thesis projects for many years and sees them as a win-win for students and companies alike.

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