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Künstliche Intelligenz in der Abschlussarbeit erklären – mit Brot, Skiern und Silverbacks

Künstliche Intelligenz in der Abschlussarbeit erklären – mit Brot, Skiern und Silverbacks

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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"Man fängt an, die Welt retten zu wollen, und am Ende möchte man sie einfach abgeben." So beschreibt Dr. Christian Hitz seine eigene Abschlussarbeit – ein Wendepunkt, mit dem sich wohl viele Studierende identifizieren können. Heute leitet Hitz die Einheit Information Systems – Data Science am Institut für Wirtschaftsinformatik der School of Management and Law an der ZHAW.

Jeden Tag erlebt er eine neue akademische Realität: Die Erwartungen an Abschlussarbeiten sind gestiegen, während Digitalisierung und KI einerseits neue Möglichkeiten schaffen – und andererseits Missverständnisse.

„Viele Unternehmen glauben, Data Science sei nur eine fortgeschrittenere Form der Datenanalyse. Aber Data Science ist angewandte Wissenschaft, die mehrere Disziplinen des Verarbeitens, Veredelns und Kommunizierens von Daten umfasst.“

Wie können Hochschulen, Unternehmen und Studierende zusammenarbeiten, um Abschlussprojekte mit Substanz, Relevanz und Einsichten für alle Beteiligten zu entwickeln? Storytelling gehört zu den Kerndisziplinen der Data Science: das Unbekannte durch Bekanntes erklären. Hitz demonstriert das in Echtzeit und nutzt drei Metaphern, um eine klare und greifbare Antwort auf diese Frage zu geben.

Die Bäckerei-Metapher: Wie Data Scientists Antworten aus Daten backen

Was macht ein Data Scientist? Für Hitz ist die Antwort einfach – zumindest wenn man sich eine Bäckerei vorstellt: „Der Data Scientist backt keine Brötchen – er backt Antworten.“ Genau wie ein Bäcker rohe Zutaten in nahrhafte Produkte verwandelt, arbeitet ein Data Scientist mit Daten, Werkzeugen und Methoden, um verlässliche, handlungsfähige Ergebnisse zu liefern.

In dieser Analogie ist der „Ofen“ die Hochleistungsrecheninfrastruktur, die Zutaten sind Datenpunkte und das Rezept ist der wissenschaftliche Prozess. „Wenn das Resultat nicht befriedigt – wenn es nicht nutzbar oder gültig ist – dann hast du das falsche Rezept benutzt oder die falsche Frage gestellt.“ Das sei laut Hitz der entscheidende Unterschied zwischen oberflächlicher Datenanalyse und echter wissenschaftlicher Arbeit. Und: „Wenn du dich nur auf die Werkzeuge konzentrierst, ohne zu wissen, welche Art von Brötchen du backen willst, wirst du nicht satt.“

Die Ski-Metapher: Warum KI nur ein Werkzeug ist

„Ich würde Studierenden niemals verbieten, KI-Tools zu nutzen. Aber sie sind eben genau das – Werkzeuge.“ Hitz macht klar: KI kann Forschung beschleunigen, aber nicht ersetzen. Ähnlich wie beim Skirennen gewinnt nicht das Material, sondern der Athlet.

„Niemand sagt, die Ski hätten gewonnen. Es entscheidet immer die Skifahrerin oder der Skifahrer.“ Die Metapher unterstreicht eine zentrale Botschaft: Starke Werkzeuge können unterstützen, aber niemals den wissenschaftlichen Denkprozess ersetzen. Werkzeuge wie LLMs oder Modellkontext-Protokolle verändern das Tempo akademischer Arbeit dramatisch. „Was früher 45 Minuten dauerte, erledigen Studierende heute in fünf.“

Die eigentliche Frage lautet: „Was machen wir mit der gewonnenen Zeit?“ Für Hitz lautet die Antwort: Tiefe. „Unsere Herausforderung ist, diese Zeit für tieferes Denken, bessere Fragestellungen und stärkere Verknüpfungen zur Praxis zu nutzen. Technisch gesprochen bedeutet das: mehr Zeit in das sogenannte Problemframing zu investieren.“

Die Silverback-Metapher: Warum der Dialog mit der Praxis inspiriert

„Die besten Arbeiten entstehen aus Gesprächen mit den Silverbacks der Branche“, sagt Hitz mit einem Lächeln. Mit „Silverbacks“ meint er erfahrene Praktikerinnen und Praktiker, die Studierende herausfordern, inspirieren und manchmal nachhaltig beeindrucken – und natürlich funktioniert der Austausch in beide Richtungen.

Das Problem? Solche Begegnungen passieren oft zufällig – am Buffet einer Konferenz, in einem Weiterbildungskurs oder über persönliche Netzwerke. „Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen ist oft unkoordiniert.“ Es fehlt eine strukturierte, sichtbare Brücke, die Abschlussarbeitsthemen mit realen unternehmerischen Herausforderungen verbindet. Viele Unternehmensfragen bleiben unbemerkt, während Studierende Schwierigkeiten haben, sinnvolle Fragestellungen zu finden. „Was fehlt, ist Matching.“

Für Hitz hat die Abschlussarbeit jedoch grosses Potenzial: „Sie ist ein Mini-Forschungsprojekt – und sie braucht eine seriöse Gegenpartei, die sich auf den Dialog einlässt.“ Es gehe nicht um Gratisberatung, betont er, sondern um forschungsbasierte Einsichten. Und wenn so ein Dialog funktioniert?

„Viele Studierende sagen mir, ihre Abschlussarbeit sei ein lebensverändernder Moment gewesen.“

Nicht, weil es einfach war, sondern weil sie in einer realen Umgebung gefordert wurden, Verantwortung übernahmen und daran gewachsen sind. Und Unternehmen profitieren ebenfalls: „Sie gewinnen oft einige der engagiertesten Mitarbeitenden, die sie je hatten.“

Ausblick: Zeit für orchestrierten Dialog

Die Zukunft der studentischen Forschung liegt im Schnittpunkt: zwischen Werkzeugen und Methoden, Wissenschaft und Praxis, Ambition und Anwendung. KI wird nicht alles lösen. Aber sie kann Freiraum schaffen. „Die Frage ist: Was machen wir mit der gewonnenen Zeit?“

Es gibt viele Antworten – man muss nur die richtigen backen.

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Christian Hitz
ZHAW

Christian Hitz

Dr. Christian Hitz heads the Information Systems – Data Science unit at the Institute of Business Information Technology within the School of Management and Law at ZHAW. As an expert in data-driven research and AI, he teaches students and companies how to think, research, and make decisions based on data. He is especially passionate about bridging academic rigor with practical relevance. His favorite metaphor? “Data scientists bake answers that are guaranteed to be filling.”

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