Charlotte Weishaupt ist nicht zufällig dort gelandet, wo sie heute ist. Als eine der drei Präsidentinnen des International Students’ Committee (ISC) war sie für Partnerschaften und die Einbindung der Teilnehmenden beim renommierten St. Gallen Symposium verantwortlich. Doch ihr Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig: „Ich wollte etwas Sinnvolles tun. Etwas, das bleibt.“
Nach einer von der Pandemie geprägten Schulzeit suchte sie nach einer Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Inspiriert von ihrem Onkel und motiviert durch Gespräche mit ISC-Alumni bewarb sie sich – und fand im Symposium das, was sie als „die beste Erfahrung meines Lebens“ bezeichnet.
Das St. Gallen Symposium: Dialog als Motor des Wandels
Das St. Gallen Symposium bringt jedes Jahr rund 1’300 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in St. Gallen zusammen. Ein Grossteil der Organisation wird von einem international vernetzten Studierendenteam übernommen.
Für Weishaupt war die Arbeit mit den „Leaders of Tomorrow“ besonders bedeutsam: Rund 200 Studierende aus aller Welt qualifizieren sich über einen Essaywettbewerb. Die Diskussionen in diesen Sitzungen prägten ihr Verständnis von Wirkung und Verantwortung grundlegend.
„Wenn junge Menschen CEOs und Politikern kritische Fragen stellen, zeigt das, wie wirkungsvoll der Dialog sein kann.“
Die Erfahrung, mit hochrangigen Führungskräften auf Augenhöhe zu sprechen, hat ihre Definition von Bildung neu geformt. Für sie bedeutet Bildung nicht nur Wissenserwerb, sondern auch Zugang, Austausch und neue Möglichkeiten. Die globale Perspektive schärfte ihr Bewusstsein: „Wir haben ein unglaubliches Privileg. Bildung ist keine Selbstverständlichkeit.“
Das Symposium liefert eindrucksvolle Beweise dafür, was Studierende erreichen können, wenn ihnen Verantwortung übertragen wird: Budgets verhandeln, Logistik organisieren, Referenten gewinnen und vieles mehr. „Es ist erstaunlich, was möglich wird, wenn man ein gemeinsames Ziel verfolgt und daran glaubt.“
Weishaupt betont, wie viel Studierende voneinander lernen können und wie wertvoll studentische Clubs und Netzwerke an Universitäten sind. Initiativen wie das ISC könnten als Vorbilder für projektbasiertes Lernen dienen.
Ihr Wunsch: mehr Vertrauen in die Kompetenzen der Studierenden, mehr Austausch zwischen den Generationen und klare Rahmenbedingungen, die Orientierung bieten, ohne die Kreativität einzuschränken.
Abschlussarbeiten und Erkenntnisse des Symposiums: Durchhaltevermögen, Zuhören und Vertrauen
Charlotte Weishaupt hat gerade mit ihrer Bachelorarbeit begonnen und bringt eine klare, reflektierte Perspektive in den Prozess ein. Sie sieht die Arbeit nicht als Pflichtaufgabe, sondern als Chance: „Es ist das erste Mal, dass wir wissenschaftlich arbeiten dürfen. Das verdient mehr Anerkennung.“
Gleichzeitig hat sie erfahren, wie unterschiedlich die Vorgaben und Erwartungen an Abschlussarbeiten sein können. Ihr Appell: klarere Rahmenbedingungen, mehr Sichtbarkeit für herausragende Arbeiten und besserer Zugang zu praxisorientierten Erkenntnissen. Eine ihrer Ideen:
„Warum nicht die besten Abschlussarbeiten ausstellen? Das würde andere wirklich inspirieren.“
Vom Symposium hat sie gelernt, dass echter Dialog zwischen den Generationen mit kleinen Schritten und dem Mut beginnt, aufeinander zuzugehen. Doch im akademischen Alltag fehlt genau das oft. Viele Studierende fühlen sich einfach nicht sicher oder wissen nicht, wie sie Experten ansprechen sollen. Ihre wichtigste Erkenntnis: „Es lohnt sich, nachzuhaken. Es ist völlig in Ordnung, erneut zu schreiben.“
Damit ein Austausch gelingt, braucht es jedoch mehr als individuelle Initiative. Weishaupt plädiert für strukturelle Unterstützung: mehr Gastvorträge, finanzierte Praktika, offene Formate mit der Industrie. „Sprechen Sie mit uns. Fragen Sie, wie die Vorlesung war. Dialog ist der Anfang von allem.“
Wenn man Studierenden vertraut, wachsen sie
Charlotte Weishaupt ist ein eindrucksvolles Beispiel für eine Generation, die Bildung nicht nur als Qualifikation, sondern als Auftrag zur Gestaltung der Gesellschaft versteht. Ihre Geschichte zeigt, wie viel Studierende bewirken können, wenn man sie lässt.
Ihr Appell: mehr strukturelle Unterstützung für studentische Initiativen, mehr Raum für Dialog, mehr Mut, studentische Beiträge zu würdigen. Und ein Bild ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben:
„Wenn 1’300 Menschen aus 87 Nationen aufgrund einer studentischen Initiative nach St. Gallen kommen, zeigt das, was möglich ist.“