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Andreas Blumer und seine Doppelfunktion zwischen Wirtschaftsprüfung und Wissenschaft

Andreas Blumer und seine Doppelfunktion zwischen Wirtschaftsprüfung und Wissenschaft

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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Andreas Blumer bewegt sich mühelos zwischen zwei einflussreichen Welten. Als Senior Audit Partner bei EY Schweiz nimmt er eine Führungsrolle in einer globalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma ein. Gleichzeitig prägt er als Honorarprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen die Ausbildung an einer der führenden Wirtschaftsuniversitäten Europas.

Diese Doppelfunktion verschafft ihm nicht nur tiefe Einblicke in beide Systeme. Sie macht ihn zu einem der wenigen, die die Verbindung von Wissenschaft und Praxis auf strategischer Ebene aktiv mitgestalten. Schon seine Dissertation von 1995 verband Theorie und Praxis und basierte auf Interviews mit Regulierungsbehörden aus zwanzig Ländern – zu einer Zeit, bevor das Internet verfügbar war. Für Blumer war Praxis nie nur ein Zusatz, sondern eine echte Erkenntnisquelle: „Spannung entsteht durch Dialog.“

Blumer beschreibt das Schreiben als anspruchsvollen, kreativen und manchmal schmerzhaften Prozess: „Man schreibt etwas, verwirft es, schreibt es neu. Aber wenn es fertig ist, denke ich manchmal: Wow, habe ich das geschrieben?“ Der Moment der Freude kommt mit dem Ergebnis; eine Erfahrung, die er nun seinen Studierenden ermöglichen will.

Talente entwickeln, Organisationen gestalten

Blumers Engagement in der Wissenschaft ist weit mehr als eine Ehrenpflicht. Es ist Teil des strategischen Talentmodells von EY. Die Big-Four-Gesellschaft mit über 400'000 Mitarbeitenden weltweit rekrutiert jährlich rund 60'000 neue Talente. Hochschulpartnerschaften spielen dabei eine zentrale Rolle. „Wir wollen nicht nur Talente anziehen. Wir wollen auch etwas zurückgeben.“

Diese Zusammenarbeit bringt allen Seiten Vorteile:

  • Studierende erhalten realistische Einblicke in das Berufsleben
  • EY erhält Zugang zu aktuellen Forschungsfragen, Denkweisen und einem grossen Talentpool an der Universität
  • Universitäten erhalten Anstösse für praxisorientiertere Lehre

Blumer trägt nicht nur als Koordinator bei, sondern auch inhaltlich – etwa bei Nachhaltigkeitsberichterstattung im Finanzsektor. Sein Massstab: „Wenn es einen Wow-Effekt gibt – ‹Das hätte ich nicht erwartet› – dann ist es ein gutes Resultat.“

«Weniger ist mehr»: Abschlussarbeiten als Innovationstreiber

Für Blumer sind Abschlussarbeiten ein zentrales Instrument erfolgreicher Zusammenarbeit. Sie schaffen Raum für kritisches Denken, neue Perspektiven und Co-Creation. Er betont die Balance zwischen Struktur und Freiheit: „Eine gute Arbeit hat Struktur, kritische Reflexion und kann auch zeigen, dass nichts Neues gefunden wurde.“

Sein Leitgedanke: „Weniger ist mehr.“ Entscheidend ist nicht die Menge an Informationen, sondern wie man sich mit ihnen auseinandersetzt. Deshalb verbindet Blumer klassischen Wissenstransfer mit interaktiven Formaten, in denen Studierende eigene Fragen entwickeln und vertiefen. KI-Tools sieht er als wertvolle Begleiter – aber nur, wenn sie bewusst und kritisch eingesetzt werden.

Plattform statt Zufall

So beeindruckend Blumers persönliches Engagement auch sein mag: Nachhaltiger systemischer Wandel braucht mehr als individuelle Initiative. Viele Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen basieren noch auf Zufall oder persönlichen Netzwerken. Blumer bewertet das als strukturelle Schwäche:

„Im Moment ist alles ein bisschen Stückwerk. Was uns fehlt, ist das Werkzeug.“

Er plädiert für eine Plattform, die Themen zusammenführt, das Matching vereinfacht und systematische Impulse setzt. „Nicht jede Person soll das individuell wissen müssen. Wir brauchen eingebaute Reflexe im System.“

Für Blumer geht es nicht nur um Inhalte. Es geht auch um Haltung: „Motivation ist der Knackpunkt. Man muss sehen, dass jemand wirklich Interesse am Thema hat.“

Ausblick

Blumer treibt die Debatte weiter voran und fordert ein Umdenken in der Rolle der Professorinnen und Professoren – nicht nur als Wissensvermittler, sondern als Kuratorinnen und Kuratoren des Dialogs. Seine Forderung: „Professoren müssen kritisch sein und ihre Studierenden herausfordern. Das ist die Aufgabe.“

Er sieht Abschlussarbeiten nicht als veraltet, sondern als unterschätzte Innovationslabore. Was es braucht? Bessere Infrastruktur, gemeinsame Standards und die Bereitschaft, Praxis und Theorie einander herausfordern zu lassen.

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Prof. Dr. Andreas Blumer
EY

Prof. Dr. Andreas Blumer

Prof. Dr. Andreas Blumer is Senior Audit Partner at EY Switzerland and honorary professor of business administration at the University of St. Gallen. In his dual role, he combines leadership in a global audit and consultancy firm with academic teaching at the highest level. He advocates for structured knowledge transfer, mentors practice-oriented final theses and promotes an intergenerational learning culture where theory and application go hand in hand.

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