Muttenz, östlich von Basel, beherbergt den einzigen Produktionsstandort von Bayer Schweiz. Hier, im Zentrum des Industrieparks Getec, stellt das Unternehmen Wirkstoffe für den Pflanzenschutz her – global vernetzt, lokal verankert. „Wir sind in einem Hochlohnland wie der Schweiz global wettbewerbsfähig. Das funktioniert nur über Talent und Technologie“, sagt Dr. Felix Hanisch, der den Standort mit rund 280 Mitarbeitenden leitet.
Als ausgebildeter Chemieingenieur ist Hanisch seit Jahrzehnten in verschiedensten Funktionen bei Bayer tätig. Heute sieht er sich als Site Lead in erster Linie weiterhin als Ingenieur. „Im Kern bin ich Ingenieur geblieben. Wenn ich etwas verstehen muss, gehe ich in die Anlage — dort bin ich am glücklichsten.“
Ein angewandtes Doktorat als Sprungbrett
Hanischs Weg in die Industrie begann mit einem starken Praxisbezug während seiner Promotion an der TU Dortmund. „Wir haben parallel gearbeitet: Ich habe mich um die praktische Umsetzung gekümmert, mein Kollege um die Theorie. Unsere Forschung drehte sich um die optimale Regelung von Chromatographiesystemen.“
Seine Arbeit fand in einer realen Versuchsanlage statt, eingebettet in eine Industriepartnerschaft – eine solide Basis, technisch wie persönlich. „Dort habe ich gelernt, mich zu organisieren, andere zu überzeugen und im Team zu arbeiten. Diese Soft Skills helfen mir heute genauso wie die technische Tiefe.“ Diese Erfahrungen haben seine Sicht auf die Förderung junger Talente nachhaltig geprägt: Wer selbst profitiert hat, gibt es weiter – so versteht Hanisch seine heutige Rolle.
Abschlussarbeiten als Lernraum
Hanischs Verbindung zur Wissenschaft ist nicht nur ein Gesprächsthema, sie gehört zu seinem Führungsverständnis. „Ich habe persönlich davon profitiert, in einem angewandten Umfeld zu arbeiten. Diesen Zugang möchte ich Studierenden heute auch bieten.“
Bayer Schweiz arbeitet mit mehreren Hochschulen zusammen – darunter die ETH Zürich, das IMD Lausanne und ganz nah die FHNW in Muttenz. „Letztes Jahr hatten wir eine Masterarbeit zum Thema kontinuierliche Fertigung. Die Experimente wurden in unserem Labor durchgeführt, die Verteidigung an der FHNW fand statt.“
Für Hanisch sind diese Kooperationen eine strategische Investition: „Sie bringen externes Know-how ins Unternehmen und helfen uns, Fragen zu bearbeiten, bei denen wir das Ergebnis noch nicht kennen – und bereit sind, Raum für Experimente zu lassen.“ Auch Betreuende profitieren: „Studierende bringen neue Denkweisen. Sie hinterfragen unsere Annahmen und treiben uns aus der Komfortzone.“
Abschlusskooperationen als Standortstrategie
Hanisch betrachtet regionale Zusammenarbeit nicht als reine Wohltat. Für ihn ist sie Teil einer bewussten Standortstrategie.
„Humankapital macht einen Standort wie die Schweiz attraktiv. Das schafft Verantwortung — und enormes Potenzial.“
Die Themen verändern sich rasch: Biokatalyse, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit rücken in den Mittelpunkt. „Wir werden demnächst eine enzymbasierte katalytische Reaktion in der Produktion einführen. Vor zwanzig Jahren wäre das noch nicht einmal auf dem Radar gewesen.“
Auch die Erwartungen der Studierenden wandeln sich: „Menschen wollen mehr Feedback und Orientierung. ‚Macht mal und wir sprechen in drei Monaten‘ funktioniert nicht mehr – und das ist gut so.“
Viele Unternehmen zögern noch, mit Studierenden zu arbeiten. Hanisch will das ändern:
„Die Studierenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Wenn man Abschlussarbeiten jetzt nicht unterstützt, darf man sich später nicht über den Fachkräftemangel beklagen.“
Aus Geschäftssicht zahlt sich der Einsatz aus: „Die Betreuung einer Arbeit ist zeitlich überschaubar – und kann enormen Mehrwert bringen. Im schlimmsten Fall hat man ein paar Stunden investiert. Im besten Fall gewinnt man echte Erkenntnisse.“
Sein Rat an Unternehmen: „Klein anfangen. Ein Semesterprojekt, ein kurzes Praktikum. Man muss nicht gleich jemanden einstellen. Aber man lernt immer etwas und öffnet Türen auf beiden Seiten.“
Blick nach vorn: Lebenslanges Lernen
Für Hanisch gehen Abschlusskooperationen weit über Talentförderung hinaus, sie sind ein Zugang zum lebenslangen Lernen. „Auch unsere Mitarbeitenden profitieren. Sie reflektieren ihr Wissen, beschäftigen sich mit neuen Themen und bleiben mit der Wissenschaft verbunden.“
Dieser Dialog ist essenziell: „Forschung muss nicht immer sofort anwendbar sein. Aber wir sollten mehr Berührungspunkte schaffen – durch gemeinsame Projekte, Gespräche und gemeinsame Ziele.“
Studiengangsleitenden gibt er eine klare Botschaft mit: „Viele tun bereits viel, um Grundlagen und Anwendung zu verbinden. Diese Mischung hält unseren Innovationsmotor am Laufen.“
